Modellvalidierung auf Basis immunitätsbezogener positiver Testzahlen

Aktuelle, neue Datenquellen ermöglichen ein Update der Evaluierung des aktuellen Systemverhaltens in der COVID-19 Krise. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Überprüfung der Modelgüte des österreichischen Bevölkerungsmodelles und der Anwendung auf die COVID-19 Ausbreitung. Die s.g. Validierung, d.h. der Vergleich zwischen Modellergebnissen und der Realität, ist das Um und Auf der Modellbildung und ein kontinuierlicher Prozess, der insbesondere durch die Verfügbarkeit von neuen Datenquellen unterstützt wird. Innerhalb der letzten Monate konnten hierfür insbesondere die Erfassung von Reinfektionen im Epidemiologischen Meldesystem (EMS), als auch neue Daten aus dem elektronischen Impfpass zusätzliche Informationen liefern. Mithilfe von fokussierten Datenauswertungen und Vergleichen zu Modellergebnissen, können über diese Datenquellen nun bestehende Hypothesen zur Schutzwirkung von Genesung und Impfung überprüft werden und neue Hypothesen aufgestellt werden.

Die gegenwärtige Studie beschäftigt sich im Kern mit zwei Fragestellungen:

  • Wie lange hält ein Immunschutz gegen eine (bestätigte) Reinfektion nach einer Genesung an?
  • Wie wirksam ist eine teilweise/vollständig abgeschlossene Impfserie im Hinblick auf den Impfstoffhersteller gegen eine bestätigte Infektion?

Ziel der Studie ist, (1) zu analysieren, wie gut (im Vergleich mit den Realdaten) das agentenbasierte COVID19 Modell der TU Wien und der dwh GmbH bereits vor dem Einbeziehen der neuen Daten die jeweiligen Schutzwirkungen abgebildet hat und (2) wie man die Abbildung verbessern kann.

Die Studie lässt drei Kernaussagen zu: Zum einen zeigen die kalibrierten Simulationsergebnisse, dass eine Genesung im Mittel wohl länger vor einer Reinfektion Schutz bietet, als die bisher im „Grünen Pass“ berücksichtigten 180 Tage. Dies stellt in keiner Weise eine Änderung der Position dar, dass Impfungen auch für Genesen empfohlen und sinnvoll sind. Vielmehr dient das Ergebnis als Hypothese zur Überprüfung durch Mediziner*innen, um die komplexen Wirkzusammenhänge im Weiteren besser zu verstehen. Speziell in der Kommunikation mit impfkritischen Personengruppen, erscheint es wichtig maximale Transparenz in alle Richtungen herzustellen um nicht a posteriori reagieren zu müssen.

Zum anderen deuten Auswertungen zur Impfstoffeffektivität darauf hin, dass sowohl teilweise als auch vollständig abgeschlossene Impfserien sehr herstellerabhängige Schutzwirkungen gegen bestätigte Neuinfektionen zeigen. Es zeigt sich hierbei eine unerwartet geringe Schutzwirkung von teilweise abgeschlossenen Impfserien sowie eine vergleichsweise geringe Wirksamkeit der Impfungen von Hersteller Johnson&Johnson/Janssen. Für diese Zeigen die Daten eine Impfstoffwirksamkeit von maximal 50%, was deutlich unter den Werten der anderen vollständig abgeschlossenen Impfserien liegt.

Drittens zeigt sich der stärkste Schutz gegen bestätigte Neuinfektion bei mindestens einfach geimpft und genesenen, was als eindeutige Impfempfehlung für Genesene aufgefasst werden soll, und doppelt geimpften.

Die Studie ist insbesondere limitiert durch Datenqualität des E-Impfpasses und des EMS, sowie der Modellunschärfe bei der Verteilungsfunktion für den Immunitätsschutz nach Genesung. Zudem sind die Aussagen der Studie an das gegenwärtige Epidemiegeschehen und insbesondere die aktuell vorherrschenden Virusvariante gekoppelt.


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Detaillierte Projektbeschreibung inkl. erster Ergebnisse - Stand: 28. September 2021 (korrigiert 30.9.2021)